Die AfD und die Kultur

Die AfD und die Kultur

Die AfD in Sachsen-Anhalt hat in ihrem Wahlprogramm gefordert, mehr für die deutsche Kultur zu tun. Die deutsche Leitkultur soll gepflegt werden. Außerdem sollen Museen, Theater und Orchester einen positiven Bezug zur eigenen Heimat fördern. Des weiteren soll es mehr Geld für Kultur geben und kleinere Einrichtungen sollen gefördert werden.

Das klingt doch ganz nett. Als Kulturmensch finde ich es auch toll wenn sich Parteien mit dem Thema Kultur beschäftigen. Vor allem mehr Geld für Kultur und die Förderung kleinerer Einrichtungen ist ganz nach meinem Geschmack.  Allerdings stellen sich mir hier ein paar Fragen.

  • Deutschland ist ein Land mit einer reichhaltigen Kultur, welche auch im Ausland Liebhaber  findet. Allerdings ist die deutsche Kultur sehr unterschiedlich und auch nicht aus sich heraus entstanden. Deutsche Künstler haben sich schon immer mit Künstlern anderer Länder ausgetauscht, Ideen aufgegriffen und daraus wieder Neues gemacht. Was also ist die deutsche Leitkultur? Wo ziehen wir genau die Grenze? Mozart war Österreicher müssen wir ihn jetzt ausschließen? Was ist mit den griechischen Klassikern? Die sind definitiv nicht deutsch, aber sie haben die deutsche Kultur beeinflusst. Diese Liste könnte man jetzt ewig fortsetzen. Man muss aber auch in die Zukunft schauen. Eine Kultur die sich nicht weiterentwickelt ist eine tote Kultur. Doch um sich weiter zu entwickeln braucht es den Austausch und den Diskurs. Dazu muss der Blick auch über den Gartenzaun schweifen und Neues ausprobiert und diskutiert werden dürfen.
  • Die nächste Frage die sich mir stellt ist wie das ganze kontrolliert werden soll. Müssen Künstler, Museen usw. sich monatlich vor einer Kommission verantworten? In Deutschland gilt die Freiheit der Kunst, das bedeutet Künstler haben die Freiheit sich mit dem zu beschäftigen was sie für richtig und wichtig halten. Das Publikum hat dann die Wahlfreiheit. Sollen jetzt dem deutschen Publikum tolle ausländische Künstler vor enthalten werden? Hält man das Publikum für so unreif nicht selbst reflektieren zu können.
  • Die Kunst soll ein positives Bild zur Heimat schaffen. Hm, das klingt irgendwie mal nett. Aber wie soll das funktionieren? Jeder hat doch einen anderen Kunstgeschmack und ein anderes Kunstverständnis. Wenn ich so wohne, dass ich mir regelmäßig eine tolle Ausstellung anschauen kann oder in ein tolles Konzert gehen kann, dass schafft das für mich einen Bezug zu meiner Heimat. Ein tolles Konzert ist für mich übrigens keine Blasmusik und keine Volksmusik.
  • Kommen wir zum Abschluss zum lieben Geld. Mehr Geld für Kultur halte ich wie gesagt schon für toll. Allerdings, wer mehr Geld ausgeben möchte muss auch sagen wo das Geld herkommen soll. So viel ich weiß ist das Bundesland Sachsen-Anhalt genau wie alle anderen Bundesländer knapp bei Kasse. Hier fehlt mir die Antwort.
Ich habe mir übrigens mal ein paar interessante  deutsche Künstler heraus gepickt:
Arnold Schönberg
Max Frisch, z.B. Biedermann und die Brandstifter
Erich Kästner z.B. Die andere Möglichkeit
Gerhard Richter
Joseph Beuys
Ich höre auf, sonst arbeite ich die nächsten Stunden noch an dieser Liste.

 

2 Gedanken zu “Die AfD und die Kultur

  1. Alleine schon die Tatsache, dass du hier einen Artikel mit dem Thema AfD und die Kultur verfasst, zeigt bereits, dass die Wahlen – insbesondere die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt – ein politische Beben enormen Ausmaßes ausgelöst haben.

    Die AfD wird jetzt multiperspektivisch von allen Seiten her erstaunt von außen betrachtet und dem Außenstehenden fehlen die Worte. Als Sachsen-Anhaltiner, der die AfD als radikaler Nichtdemokrat im Grunde von Beginn an strategisch unterstützt hat, werde ich mal versuchen eine kleine Innenperspektive zu liefern.

    Von der ostdeutschen AfD-Wählerschaft käme niemand jemals darauf, sich die Frage zu stellen, welche Auffassungen die AfD zur staatlichen Kulturförderung hat. Ich beschäftige mich, wie gesagt, schon seit Jahren mit der Partei und man hört von so etwas im Grunde nix.

    Weite Teile der ostdeutschen AfD-Wählerschaft sind schlicht und ergreifend islamfeindlich und stehen der massiven Zuwanderung männlicher Muslime extrem skeptisch gegenüber. Die deutsche Außenwahrnehmung – also der Blick der alten Bundesländer auf den Osten – ist hinsichtlich dessen völlig verfälscht und wird vom AfD-Wähler als hönisch und verachtend wahrgenommen.

    Ich habe beispielsweise in den letzten 5 Wochen mehrere Male gehört, wie in deutschen Talkshows der Talking-Point verbreitet wurde, dass die Ostdeutschen in der Regel noch nie einen Flüchtling zu Gesicht bekommen hätten. Der AfD-Wähler nimmt das direkt als Lügenpropaganda wahr. Hierzu ist zu sagen, dass in Ostdeutschland innerhalb der letzten 18 Monate der Charakter zahlloser Kleinstädte und Dörfer und Gemeinden nachhaltig verändert wurde. Die allermeisten Ostdeutschen nehmen nun war, wie durch die Migranten der Charakter der Innenstädte nachhaltig verändert wurde, da sie nun überall in der Stadt muslimische Zuwanderer sehen, welche, wenn es Frauen sind, dann auch oftmals mit Kopftüchern ihren Wegen nachgehen.

    Das ist alles ein Novum. Die Menschen fühlen sich von der Politik hintergangen und missbraucht. Sie fragen sich, wie die Ausländer in den neuen Bundesländern integriert werden sollen, wo selbst hochgebildte und fleißige Menschen bereits seit Jahrzehnten kontinuierlich auswandern, um im Westen oder im europäischen Ausland für wesentlich mehr Geld und zu bedeutend leichteren Bedingungen arbeiten zu gehen.

    Die AfD ist europa- und eurofeindlich. Das wird vom AfD-Wähler auch noch wahrgenommen.

    Die AfD ist antiestablishment und wird derzeit vom AfD-Wähler als einzige Mitte- oder Mitte-Rechts-Partei wahrgenommen. Die etablierten Parteien bekräftigen dieses Bild nur noch, indem sie offen anzeigen, dass von ihnen praktisch jeder mit jedem koalieren kann.

    Die AfD ist so gesehen eine große Sammelbewegung. Sie ist die bittere Warnung der Dinge, die uns noch bevorstehen. Und die AfD wird nicht verschwinden, sonder dürfte aller Vorausschau nach immer weiteren Zulauf erfahren. Warum? Weil weder die Flüchtlingskrise – auf welche die Herrschenden keinerlei Antworten haben – noch die Eurokrise verschwinden werden.

    Im Gegenteil – wir hatten jetzt viele Jahre Ruhe im HInblick auf die Eurokrise und die Staatsschuldenkrise. Die Symptome dieser Krise wurden mit allen Mitteln übertüncht, während die Ursache der Krise in aller Ruhe die wahre Sprengkraft entwickeln konnte, mit der sie den verblüfften Bürgern in den kommenden Jahren unvermittelt entgegentreten wird. Die Menschen werden sich auch dann zur AfD flüchten.

    Als Sachsen-Anhaltiner, der aus ideologischen Gründen (da ich Staatsfeind bin), nicht zur Wahl ging, würde ich mal darauf tippen, dass die AfD noch weit mehr Stimmen geholt hätte, hätten sich noch mehr Nichtwähler aufgerafft, wählen zu gehen. Ich würde den Anteil der potenziellen AfD-Wähler unter der verbliebenen Nichtwählerschaft mal auf 50% veranschlagen.

    Und um noch mal auf das Thema des Artikels zurückzukommen: Mir ist kein AfD-Wähler bekannt – und ich kenne ein paar -, der sich dafür interessiert hätte, wie es die AfD mit der Kulturpolitik hält.

    Wenn die Interessen der Wähler der AfD nicht wirklich ernstgenommen werden – und dafür können wir wohl unsere Hand ins Feuer halten, da die herrschenden Politiker fernab jedweder Realität zu agieren scheinen -, dürfte die Gruppe ein zuverlässiger Indikator für die innerdeutschen gesellschaftlichen Sprengkräfte sein.

    • Hallo Tommy,
      vielen Dank für deine sachlichen Diskussionsbeitrag.
      Ich bin mir bewusst, dass die AfD-Wähler die AfD wohl kaum wegen ihrer Kulturpolitik gewählt haben. Da mir aber die Freiheit der Kunst sehr wichtig ist, wollte ich zu diesem Teilbereich des AfD-Wahlprogramms einen Beitrag bringen.
      Eine Analyse wieso die AfD solche Erfolge hat, wollte ich nicht angehen. Da hast du ja nun einen Ansatz geliefert.
      Dass die Medien zum Teil sehr vereinfacht haben, ist in der politischen Diskussion natürlich keine Hilfe. Dass die Sorgen der Wähler ernst genommen werden müssen ist richtig, ob aber die Ansätze der AfD helfen die Probleme an der Wurzel zu packen ist aber auch eine Frage. Dazu bald mehr.

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