Machen wir die Vergangenheit platt. Das Haus Ludwigstraße 20 in Jockgrim

In Jockgrim wurde vor Jahren das Hotel „Löwen“ geschlossen. Dies ist soweit nichts Besonderes. Warum ich dies hier erwähne ist folgender Umstand. Das ehemalige Hotel „Löwen“ steht im historischen Hinterstädl von Jockgrim. Das Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Das ganze Hinterstädtel eingeschlossen von der Stadtmauer wurde als Denkmalschutzzone unter Schutz gestellt. Darüber hinaus gilt für weite Teile von Alt-Jockgrim eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung. Das Jockgrimer Hinterstädl ist so etwas wie die gute Stube von Jockgrim. Alle zwei Jahre findet hier das Hinterstädlfest statt. Tausende aus Nah und Fern genießen dann die Atmosphäre im Hinterstädl.

Nach dem das Hotel geschlossen wurde übernahm ein Investor den Komplex, um Eigentumswohnungen darin einzurichten. Dies machte er  in einem Anbau aus den 50er Jahren. Obwohl nur sechs Parkplätze zur Verfügung standen, sagte er den zukünftigen Eigentümern neun Stellplätze zu und brachte sich somit in Zugzwang. Somit reifte der Plan, eines der denkmalgeschützten Häuser abzureisen, damit Parkplätze geschaffen werden können. Um die Behörden zufrieden zu stellen, wurde beschlossen ein Gebäude in der gleichen Größe zu bauen und mit einer Fachwerkattrappe zu versehen. Dies wurde vom Bauausschuss der Ortsgemeinde Jockgrim genehmigt. Der Bauausschuss genehmigte dies mit der Begründung, das Gebäude wäre in einem schlechten Zustand und außerdem habe die Denkmalschutzbehörde keine Bedenken mehr gehabt. Die Grünen beantragten darauf hin, der Gemeinderat solle erneut über den Vorgang beraten. Und zwar nicht wie die CDU darauf hin verlauten ließ, weil die Grünen den Bauausschuss für nicht zuständig hielten, sondern weil die Grünen der Meinung sind, dass wenn ein denkmalgeschütztes Haus in einer Denkmalschutzzone steht, für die die Ortsgemeinde eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung erlassen hat, abgerissen werden soll, dann solle der Gemeinderat dies im Interesse aller Bürger offen diskutieren. Denn dieses Gebäude steht an einer exponierten Stelle. Direkt wenn man in den Ort hinein fährt, schaut man auf dieses Gebäude. Außerdem gibt es ein Konzept, wie zumindest die denkmalgeschützte Fassade erhalten werden kann, Parkplätze eingerichtet werden könnten und auch noch Platz für eine Wohnung wäre. 

Es stellt sich auch die Frage was mit dem zweiten exponierten  Gebäude dem eigentlichen „Gasthaus zum Löwen“ passiert. Das Gebäude überlässt derselbe Investor sich selbst. Wird er auch dazu irgendwann den Antrag auf Abriss stellen, weil das Gebäude in einem schlechten Zustand ist? Es gibt im Hinterstädl auch weitere Häuser bei denen man den Eindruck hat, die Eigentümer möchten nach einer ähnlichen Taktik verfahren. Wurde hier eventuell ein Präzedenzfall geschaffen? Warum gibt es kein wirkliches Konzept für das Hinterstädl? Fragen, die sich der Gemeinderat und die Ortsbürgermeisterin gefallen lassen müssen.

Anwohner aus dem Hinterstädl die in der Vergangenheit viel Geld in die Erhaltung ihrer historischen Häuser gesteckt haben und zu Recht verärgert sind, haben einen offenen Brief an den Landrat geschrieben. (Hinweis: Die Unterzeichner sind dem Autor namentlich bekannt.)

Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft mit dem historischen Erbe in Jockgrim sorgsamer umgegangen wird.

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