Elektromobilität die Lösung für die Zukunft?

Elektromobilität ist in aller Munde, die Einen verteufeln Sie die Anderen können Sie nicht genug loben. Doch was ist dran am Thema Elektromobilität?

Als die Grünen vor einigen Tagen forderten ab dem Jahr 2030 nur noch elektrische Neufahrzeuge zu zulassen war die Aufregung groß. Dies wäre der Tot der deutschen Autoindustrie, hieß es.  Doch wäre dem wirklich so? Norwegen gilt als Pionier der Elektromobilität, die dortige Regierung hat überlegt bereits ab 2025, also bereits in neun Jahren, nur noch Neufahrzeuge ohne Verbrennungsmotor zu zulassen. Einverstanden, Norwegen hat keine Automobilindustrie, andererseits entfällt damit in Norwegen die Zukunftsfähigkeit dieses Industriesegments zu fördern. Bei uns sieht die Lage gänzlich anders aus. Die Autoindustrie ist eine Schlüsselindustrie in Deutschland. Von daher sollten wir alles tun um diese Schlüsselindustrie fit für die Zukunft zu machen. In den USA etabliert sich Tesla zunehmend als Hersteller für Elektroautos. In China werden Linienbusse mit Elektroantrieb bereits in Serie produziert. Dies mag im Moment noch keine große Gefahr für die deutsche Autoindustrie sein, aber wenn die deutschen Hersteller drohen eine Zukunftstechnologie mal wieder zu verschlafen, dann muss man sie wohl zu ihrem Glück zwingen. Und was, wenn weitere Länder dem Beispiel Norwegens folgen und die deutsche Industrie dann keine Antwort hat?

Allerdings sollten wir uns von der Elektromobilität nicht allzu viel versprechen, denn viele Probleme des Individualverkehrs lassen sich nicht durch Elektroautos lösen. Nur weil die Autos elektrisch fahren wird sich kein einziger Stau in Luft auflösen. Es besteht sogar die Gefahr, dass die Menschen erst recht mit dem Auto fahren, denn es ist ja jetzt umweltfreundlich.  Der Flächenbedarf bleibt aber gleich, egal ob E-Motor oder Verbrenner. Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel muss daher absoluten Vorrang bekommen. Ganz abgesehen davon, dass wir auch den Teilen der Bevölkerung Mobilität ermöglichen müssen, die nicht (noch oder nicht mehr) Auto fahren können. Ich nehme mal als Beispiel Jugendliche. Aber auch für die Menschen die sich kein eigenes Auto leisten können, muss es ein Mobilitätsangebot geben. Interessant ist, dass die Deutsche Post jetzt selbst Elektro-Lieferfahrzeuge baut, da es keinen Hersteller gibt der solche Fahrzeuge anbietet.

Ein weiterer Baustein stellen alternative Verkehrsmittel wie das Fahrrad dar. Wenn man sich Länder wie Dänemark oder die Niederlande anschaut stellt man fest, dass bei uns noch ganz viel Luft nach oben ist. E-Bikes ermöglichen hier übrigens auch Mobilität, ohne gleich aufs Auto angewiesen zu sein ohne aber so anstrengend zu sein wie Fahrräder. Hier bieten sich neue Möglichkeiten. Nicht zu vergessen ist auch das Carsharing oder auch Mietwagenangebote.

Dem Individualverkehr sollte die Aufgabe zukommen dort für Mobilität zu sorgen, wo es mit den anderen Angeboten nicht sinnvoll umzusetzen ist. Wichtig ist jedoch alle Mobilitätsangebote zu verknüpfen. Das Elektroauto bietet sich als Zubringer für Pendler zu den öffentlichen Verkehrsmitteln an. Bei dieser Nutzung stören auch nicht die im Moment noch recht kleinen Reichweiten. Hier gibt es aber zwei Faktoren, die im Moment noch im Wege stehen. Ein Fahrzeug für Pendler ist oft der Zweitwagen, dieser soll in der Regel nicht viel kosten. Das Angebot hinkt hier hinter her. Außerdem müssten P+R-Plätze flächendeckend mit Landestationen ausgerüstet sein, denn ein E-Auto wird beim Parken „betankt“. Das Laden der Akkus ist im Moment noch eine Schwachstelle für die Massennutzung der E-Autos. Ein Beispiel: Ich habe eine Mietwohnung mit Laternengarage. Sprich ich habe nicht die Möglichkeit mein Auto über Nacht zu laden. Das wäre aber der interessanteste Zeitraum, das Fahrzeug dann zu laden, wenn ich es eh nicht brauche. In diesem Fall hilft es mir gar nicht wenn an einer Autobahnraststätte ein Supercharger steht. Aber auch Einkaufszentren und Parkhäuser müssen mit Lademöglichkeiten ausgerüstet werden. Ich fahre zum Einkaufen, und während des Shoppens lade ich mein Auto. Beim E-Auto wird man nicht mehr extra zu einer Tankstelle fahren, laden tu ich während des Parkens. Aus diesem Grund wäre auch sinnvoll die Landesbauordnungen zu ändern.  Wer Häuser baut muss entsprechende Autostellplätze vorhalten. Die Landesbauordnungen müssen dahingehend geändert werden, dass diese Stellplätze mit Lademöglichkeiten ausgerüstet sein müssen. Dies würde zwar nur Neubauten betreffen, aber irgendwo muss ja mal ein Anfang gemacht werden.

Ich glaube das Elektroauto könnte auch heute schon viel mehr gut genutzt werden, wenn jetzt auch noch die Ladeinfrastruktur ausgebaut wird, wäre schon viel gewonnen. Die Lösung für unsere Verkehrsprobleme sind Elektrofahrzeuge jedoch nicht. Dort wo der Individualverkehr zu Problemen führt, müssen andere Lösungen her, denn Individualverkehr bleibt Individualverkehr, da spielt der Antrieb keine Rolle.

Was sagen andere dazu?

Herr Lindner von der FDP hat sich in einem Gastbeitrag in der Welt übrigens gegen ein Verbot für Neuzulassungen mit Verbrennungsmotor gestellt. Interessant find ich seine Argumente, dass er den Verbrennungsmotor für eine kulturelle Errungenschaft hält, ist ja noch irgendwie  amüsant. Wenn  schon ist die damit verbundene Mobilität eine kulturelle Errungenschaft. Andere Argumente scheinen auf den ersten Blick schwerer zu wiegen. So fragt Lindner

„Wie wird sichergestellt, dass weder Vandalismus noch Verfügbarkeit eine flächendeckende Versorgung beeinträchtigen? Nicht jeder wird über eine eigene Garage verfügen, sondern muss bei Nacht im Zweifel weite Wege zurücklegen, um sein Fahrzeug für den kommenden Morgen einsatzfähig zu machen.

Herr Lindner, ich parke wie wahrscheinlich die meisten Autobesitzer mein Auto auf der Straße, wer schützt mein Auto dort vor Vandalismus? Da ist mir die Antriebart erstmal egal! Dann warnt er davor, dass Elektroautos plötzlich brennen können, das stimmt! Aber für Autos mir Benzin trifft das auch zu und kommt mehrfach täglich in Deutschland vor. Interessant finde ich folgende Aussage:

Hotels müssen in ihrer Tiefgarage, Parkhäuser an jedem Stellplatz Ladeinfrastruktur vorhalten. Wer kommt für diese Kosten auf?“

Wer zurück denkt wird sich daran erinnern, dass die FDP schon immer ein Herz für die Hoteliers hatte. Diese Kosten werden aber auf jeden Fall auf die Hoteliers zu kommen. Sollten nur 10% der heutigen Autos in Zukunft mit Elektroantrieb ausgerüstet sein, wird sich kein Hotel mehr leisten können diesen Fahrzeugbesitzern keine Lademöglichkeit an bieten zu können.  Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen, die Herr Lindner beschreibt, gibt es hier eine schöne Antwort.

Fazit

Die Elektroautos sind nicht die Lösung unserer Verkehrsprobleme, diese müssen anders angegangen werden. Aber sie können dazu beitragen den Individualverkehr verträglicher für unser Klima zu machen.

 

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