Gedanken zum 3. Oktober

Heute am 3. Oktober begehen wir den Tag der deutschen Einheit. Ein Tag der im Gegensatz zu seinem Namen keine einheitlichen Gefühle auslöst.

Ich weiß noch gut wie wir in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 staunend vor dem Fernseher saßen und die Liveübertragung der  Feierlichkeiten in Berlin uns anschauten. Wieso staunend? Noch eineinhalb Jahre vorher hatte niemand mit solch einem Ereignis gerechnet. Wir waren schon froh, dass die Ost-West-Entspannung so gut lief und die Gefahr eines Atomkrieges in den Hintergrund trat. Somit war die deutsche Einheit ein Geschenk.

Mit der Zeit kristallisierten sich dann die Probleme heraus, die Einheit war kein Selbstläufer. Die Kosten für die Einheit explodierten und wir mussten feststellen, dass sich 40 Jahre Teilung und somit 40 Jahre unterschiedliche Sozialisation nicht per Federstrich aus der Welt schaffen lassen.

Die Wiedervereinigung war keine Liebesheirat. Die jüngere Generation sowohl im Osten wie auch im Westen hatte sich mit den beiden deutschen Staaten arrangiert. Wir kannten nichts anderes. Ich war nicht gegen die Wiedervereinigung ich wollte sie mit etwas mehr Bedacht. Meine Vorstellung war, beide deutschen Staaten schließen sich auf Augenhöhe zu einem gemeinsamen deutschen Staat zusammen. Allein der Zeitgeist war ein anderer, die Gunst der Stunde musste genutzt werden und somit trat die DDR der Bundesrepublik bei. Da anschließend Milliarden in den Osten flossen, entwickelte sich bei den Menschen im Osten das Gefühl gekauft worden zu sein. Die Menschen im Westen konnten im Gegenzug nicht verstehen, dass der Osten nicht vor Dankbarkeit ergriffen war. Für uns im Westen hatte sich mit der Wiedervereinigung recht wenig verändert, für die Menschen im Osten war sie dagegen eine gewaltige Zäsur. Ein komplettes Weltbild wurde auf den Kopf gestellt. Dazu kamen gewaltige wirtschaftliche Probleme. Der Osten bekam das Wirtschafts- und Rechtssystem des Westens übergestülpt einzig den Gründen-Pfeil durfte er behalten.

 

Und jetzt? 26 Jahre später?

Ich finde wenn wir die Probleme von damals betrachten dann können wir sehen welch weiten Weg wir seit dem zurück gelegt haben. Wir sind noch nicht am Ziel, aber die Generation nach uns kennt nur noch ein ungeteiltes Deutschland. Wenn ich meinem Sohn versuche die Situation der beiden deutschen Staaten zu erklären, dann findet er das zwar interessant, aber es ist für ihn Geschichte.

Deutschland geht es heute gut und ist ein anerkannter Partner in der Welt. Natürlich gibt es Probleme. Die soziale Ungleichheit in Deutschland ist für eine Land mit diesem Reichtum nicht zu akzeptieren. Dieses Problem ist aber ein gesamtdeutsches. Deutschland ist stark genug seine Probleme an zu gehen. Hierzu sind wir alle aufgefordert. Aber zwei Dinge sollten wir auf keinen Fall aufs Spiel setzten: Unserer Menschlichkeit und unsere Demokratie. Beides müssen wir entschieden verteidigen. Wenn eine Minderheit ruft „Wir sind das Volk“ dann ist diese Minderheit ein Teil des Volkes, denn wir alle bilden das Volk. Da kann man niemanden ausgrenzen. Wer Deutschland liebt, kann auch offen für andere Kulturen sein.

Wir müssen die Einheit Deutschlands als Prozess begreifen der noch lange nicht abgeschlossen sein wird. Um diesen Prozess fort zu führen hilft keine westliche Arroganz und kein östliches „Die Nicht“. Deutschland ist stark und gemeinsam können wir es schaffen. Die Alternative? Gibt es nicht. Ein  zurück ist nicht machbar. Wir sind zum Erfolg verdammt, lasst und die Herausforderung angehen.

 

 

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