Radikalität oder wo bleibt die Mitte?

Radikalität oder wo bleibt die Mitte?

Wenn man sich die politische Diskussion in Deutschland in den letzten Monaten anschaut könnte man verzweifeln. Es ist ja nicht überraschend, dass es bei 80 Millionen Deutschen sehr unterschiedliche politische Positionen gibt. Politische Diskussionen wurden auch schon immer kontrovers diskutiert. Allerdings bin ich in der letzten Zeit schockiert über das Niveau beziehungsweise die Art der Diskussion. Hat man sich früher über das Niveau bei Stammtischen lustig gemacht wünscht man sich dieses Niveau zurück. Vor allem in den sozialen Netzwerken herrscht eine Aggression, dass man hofft niemals einem der Beteiligten zu begegnen.

Die Lebensmodelle anderer werden rundweg abgelehnt und als absolut falsch erachtet. Die Grundlage einer Diskussion nämlich das akzeptieren, dass andere auch eine andere Meinung haben dürfen, wird  total ignoriert. In ähnlicher Form können wir dies auch in anderen Ländern beobachten.

Wo mag das her rühren?

Wenn ich die Geschichte bemühe, kommt mir da die Weimarer Republik in den Sinn. Auch damals war man nicht bereit auf den politischen Gegner zu zugehen. Die Mitte war sprachlos. Doch auch in anderen europäischen Ländern gab es zwischen den Weltkriegen ähnliche Phänomene zu beobachten, aber in kaum einem anderen Land nahm es die Folgen wie in Deutschland an.

Erleben wir eine neue Weimarer  Republik? Ich glaube nicht. Aber ich glaube die Ursachen sind ähnlich.

Wir alle brauchen einen gewissen Halt im Leben, einen Bezugspunkt oder nennen wir es auch Orientierung. Nach dem ersten Weltkrieg gerieten in vielen Ländern die moralischen und sozialen und institutionellen Bezugspunkte ins Wanken. Neu Staatsformen kamen auf, aber auch eine Hyperinflation mit hoher Arbeitslosigkeit. Dies lies viele ängstlich und orientierungslos werden.

Nein, wir haben keinen erst kürzlich überstanden Weltkrieg, aber trotzdem ist einiges im Umbruch. Die Globalisierung und ihre Folgen zeigen sich immer deutlicher. Eurokrise und Flüchtlingsströme sind die Indikatoren. Der globale Terrorismus macht Angst. Neue Lebensformen, zum Beispiel die Homoehe, werden hoffähig. Zu all diesen Faktoren gibt es keine einfachen Antworten geschweige denn Lösungen. Um sich aber trotzdem zu orientieren werden alle störenden Element mit Hass überfrachtet. Da wird gesunder Patriotismus schon mal zu tumben Nationalismus. Hilfsbereitschaft mausert sich zu Gutmenschentum.

Im Gegenzug haben wir aber auch Menschen die die Probleme nicht nur klein reden sondern sogar leugnen. Sprich alle Ausländer sind gut und nur die Deutschen sind schlecht. Ich weiß, dies sind jetzt zwei extreme Positionen. Aber in der öffentlichen Diskussion nimmt man fast nur noch diese beiden wahr. Beiden Positionen gemein ist das totale Ablehnen der Meinungsfreiheit des Gegenübers. Somit ist auch keine politische Diskussion mehr möglich. Erschwerend kommt dazu, dass sämtliche Verschwörungstheorien in das eigene Weltbild eingebaut werden. Die Wiedersprüche der sich zum Teil wieder sprechenden Verschwörungstheorien werden total ausgeblendet. Diese Personen lassen sich natürlich nicht mehr mit Argumenten erreichen. Einen sehr schönen Kommentar zu diesem Thema hat Sascha Lobo im Spiegel geschrieben.

Letztendlich sind es aber Minderheiten die durch ihre Lautstärke und Penetranz das Bild prägen. Wo bleibt die gemäßigte Mitte? Die Masse schweigt. Im schlimmsten Falle geht sie noch nicht einmal zur Wahl und überlässt den Protestwählern somit einen überproportionalen Stimmenanteil. Ich würde mir mehr Aktivitäten der Mitte wünschen, damit wir mehr Breite in die Diskussion bekommen.

 

 

 

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